Garp und wie er die Welt sah - John Irving

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Zu diesem Buch etwas zu sagen, finde ich unheimlich schwer. Selbst jetzt noch, nachdem ich es vor zwei Tagen fertig gelesen habe und doch ein bisschen Zeit zum Nachdenken hatte, weiß ich noch immer nicht so recht was ich davon halten soll. Das erste Wort, das mir beim Zuklappen des Buches einfiel und bei dem mich mein Onkel beim Nachmittagsgespräch bestätigte, war "skurril".

Jenny Fields, Garps Mutter und mit ganzem Herzen Krankenschwester, wollte weder ihren Körper, noch irgendetwas anderes mit einem Mann teilen, aber sie wollte ein Kind haben. Dieser Umstand verhalf ihr zum einen zu ihrem Sohn, indem sie mit einem sterbenden, apathischen Kriegsopfer, dessen einzige Freude seine Errektionen waren, schlief und zum anderen zu ihrem autobiographischen Roman, der sie berühmt und zur ersten Feministin Amerikas machen sollte.

Der ganze Roman von John Irving ist voll von solchen "Kuriositäten", was unheimlich faszinierend und fesselnd, aber auch zum Teil abstoßend und erschreckend ist. Es gelingt mir kaum den Inhalt auch nur annähernd wiederzugeben, da das Buch unheimlich vielschichtig und fazettenreich ist.

Garp wächst auf dem Gelände der Steering School auf, wo seine Mutter als Krankenschwester arbeitet. Schon da merkt man, dass Garp das Gute für alle Menschen will, dass er die Welt für alle, aber vor allem für die, die er gern hat, weniger gefährlich und schöner machen will.

Als Garp selbst die Steering School besucht, fängt er an zu Ringen, ein Sport den Jenny für ihn ausgesucht hat. Dort lernt er die Tochter seines Trainers kennen - Helen Holm - in die er sich verliebt und die er später auch heiratet. Durch Helen gerät Garp an das Schreiben und verfällt dem Wunsch ein Schriftsteller zu werden.

Im Laufe der Geschichte wird dem Leser auf die vielfältigste Art und Weise klar gemacht, dass die Welt, so wie Garp sie sieht, eine schlechte Welt, voller Gefahren, Lust und Laster ist, vor der er seine Familie schützen will. Aber je mehr er merkt, dass es ihm nicht gelingt, dass es ihm gar nicht gelingen kann, desto grausamere und brutalere Romane schreibt er, bei denen ich manchmal nur mit offenem Mund dasaß und die Zeilen auf eine gewisse Weise entsetzt, dennoch verschlungen habe.

Garps Leben ist voll von Sex (Prostituierte, Babysitterinnen, Mrs. Ralph...), Gewalt (Vergewaltigung, Betrügereien...) und Menschen, die mit den richtigen Motiven das falsche tun (Ellen-Jamesianerinnen...). Wenn man versucht die Welt mit Garps Augen zu sehen, kann man seine Ängste und das was er daraus macht sogar verstehen.

Aber gerade, als er wieder auf dem richtigen Weg ist, das Leben als das zu sehen was es ist und seine Fantasie wiederzufinden, wird sein Leben jäh beendet.

Es gibt zwischen all dem Merkwürdigen, Brutalen, Skurrilen... aber auch immer wieder ruhige Szenen, in denen man wieder Luft holen kann. In dem Buch kann man so gut wie nichts voraussehen, es gibt immer wieder Dinge mit denen man im Leben nicht gerechnet hätte.

Ich habe oft überlegt, ob ich das Buch einfach zur Seite legen soll, aber das geht einfach nicht. Wenn man anfängt "Garp und wie er die Welt sah" zu lesen, muss man es einfach zuende lesen, weil es einen unheimlich in seinen Bann zieht.

Und auch wenn ich immer noch nicht genau sagen kann, was ich wirklich davon halte, sollte man dieses Buch lesen und sich seine eigene Meinung dazu bilden. Wobei ich auch denke, dass John Irving ein Autor ist, den man entweder liebt oder auf den Tod nicht ausstehen kann!


Bewertung:


17.2.07 19:10

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